LogoNaza
Horizont___Text

12305 Berlin-Lichtenrade / John-Locke-Straße 48

Irrgarten___Titel

Einführung:

Was denn, eine offizielle Stellungnahme? Gehört dieses Thema nicht in die Privatsphäre eines jeden Einzelnen? Doch, da gehört es auch hin. Aber in der Jakobus-Gemeinde wollen wir eine Gemeinschaft von Nachfolgern Jesu sein, die nach Seinen Geboten lebt. In dieser Gemeinschaft beeinflusst jeder den anderen – positiv oder negativ. Deshalb haben wir Grundwerte erarbeitet, die uns wichtig sind.

Was ist eigentlich “Suizid” ?

Dieser Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet “Selbsttötung”. In den letzten Jahren hat er sich im allgemeinen Sprachgebrauch durchgesetzt. Der zuvor gebräuchliche Begriff “Selbstmord” assoziierte ja schon ein schuldhaftes Handeln aus niederen Beweggründen. Davon kann aber oft (siehe unten) gar keine Rede sein. Mit dem neutralen Wort “Suizid” ist die willentliche Beendigung des eigenen Lebens gemeint.

Wie beurteilte man denn den Suizid im Lauf der Geschichte ?

Gute Frage, und ich kann da nicht auf jeden Einzelfall eingehen. Fakt ist aber, das man den Suizid z.B. in der Antike eher positiv beurteilte, im Mittelalter dagegen sehr negativ. “Selbstmördern” wurde da sogar ein christliches Begräbnis in geweihter Erde (Friedhof) verweigert. Die Einschätzungen im Lauf von Kulturen und Zeiten liegen zwischen “ehrenvoll” und “feige”.

Noch in jüngerer Zeit war eine Selbsttötung in Deutschland unter gewissen Bedingungen gesellschaftlich akzeptiert (Der Bankrotteur Anfang des 20. Jahrhunderts, der Spieler oder auch der Kapitän, der mit seinem Schiff unterging). In manchen Situationen wurde sie förmlich erwartet, z. B. von hohen Offizieren nach einer “schmählichen” Niederlage.

Heute ist eine Selbsttötung wegen einer schweren und schmerzhaften Krankheit gesellschaftlich weitestgehend akzeptiert.

Wie viele Menschen sind denn betroffen – und wer ?

Suizid ist in Deutschland ein weitverbreitetes Phänomen. Jährlich werden etwa 12.000 Fälle (zum Vergleich: 5.300 Verkehrstote in Deutschland pro Jahr) bekannt, wobei die zusätzliche Dunkelziffer enorm sein soll. Darüber hinaus werden ca. 150.000 Suizidversuche aktenkundig, wobei auch hier von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. Zählt man Freunde und Verwandte der Opfer hinzu, dann betrifft die Suizidproblematik jedes Jahr in Deutschland Hunderttausende.

Erheblich mehr Frauen als Männer führen einen Suizidversuch durch, allerdings sind fast ¾ aller Suizidopfer Männer.

Im Augenblick macht eine Reihe von Selbsttötungen in Wales unter Jugendlichen Schlagzeilen, hier kommt es offenbar zu Nachahmungstaten (dem sogenannten Werther-Effekt). Dies findet reges Interesse der Medien. Häufiger, aber sozusagen im Verborgenen, findet Suizid bei den Über-Sechzig-Jährigen statt.

Noch in jüngerer Zeit war eine Selbsttötung in Deutschland unter gewissen Bedingungen gesellschaftlich akzeptiert (Der Bankrotteur Anfang des 20. Jahrhunderts, der Spieler oder auch der Kapitän, der mit seinem Schiff unterging). In manchen Situationen wurde sie förmlich erwartet, z. B. von hohen Offizieren nach einer “schmählichen” Niederlage.

Heute ist eine Selbsttötung wegen einer schweren und schmerzhaften Krankheit gesellschaftlich weitestgehend akzeptiert.

Und warum bringen Menschen sich überhaupt um ?

Generell gilt: Die meisten Menschen wollen SO nicht weiterleben – d. h. sie würden gerne weiterleben, aber eben ohne Schmerzen, ohne Scham, ohne Liebeskummer. Da ihnen das nicht mehr möglich scheint erscheint die Beendigung des eigenen Lebens der einzige Ausweg aus Schmerzen, Scham, Liebeskummer oder ähnlichem.

Allerdings gilt heute als gesichert, dass “nur” zwischen 5 – 10% der Selbsttötungen eine Reaktion auf solche aktuellen Lebenskrisen sind.

Überwiegend gehen dem Suizid Depressionen oder andere Krankheiten (Psychosen, Suchterkrankungen, Angsterkrankungen, Essstörungen u. a.) voran. In vielen Fällen kann also von einer freien Entscheidung gar keine Rede sein, der Suizid ist Teil des Krankheitsbildes.

Warum ist Suizid für die Kirche ein Problem ?

Im Alten Testament wird die Selbsttötung an einigen Stellen erwähnt. So rät beispielsweise Hiobs Frau ihrem Mann zum Suizid, um sein Leiden zu beenden. Saul tötet sich (bzw. lässt sich töten), um nicht in die Hände der Feinde zu fallen. Und Simsons Tod ähnelt einem modernen Selbstmordattentat.

Eine ausdrückliche Wertung positiver oder negativer Art findet hier erstmal nicht statt.

Allerdings deutet schon Augustinus das “Du sollst nicht töten” des Alten Testamentes als göttliches Verbot des Suizids. Die Selbsttötung des Judas im Anschluss an den Verrat an Jesus findet ebenfalls Eingang in die moralische und religiöse Verurteilung der Kirche: Suizid wurde so zum “Selbstmord”; einer  Sünde, die nicht mehr bereut werden konnte. Unversöhnt tritt nach dieser Meinung der Sünder vor Gott.

Und wie beurteilst Du persönlich den Suizid ?

Mit seinem Tod widerspricht der Sich-selbst-Tötende der Botschaft von Glaube, Liebe und Hoffnung, die in Jesus zentral geworden ist. Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, der so etwas tut.

Gerade hier ist es schwer, Menschen zu beurteilen (oder gar zu verurteilen) – nicht wissend, was in ihnen vorging. Einerseits sollen wir als Christen nicht verurteilen, andererseits gilt aber auch: Gott allein ist Herr über Leben und Tod. Dem Menschen steht es nicht zu, sich Gott gleichzustellen. Tut er es, dann wird das in der Bibel Sünde genannt.

Und, für mich persönlich ein starkes Argument: Es bleiben immer Opfer zurück. Auch wenn der Suizid nicht ausdrücklich als Bestrafung der Überlebenden gedacht war – in betroffenen Familien herrscht oft noch nach Jahrzehnten ein bedrückendes Klima. Die Frage nach der (Mit-)-schuld, des “Hätte-ich-etwas-merken-müssen-?” vergiftet das Leben der Überlebenden.

Als Christen gilt unser Augenmerk den Überlebenden. Sie von Schuld und Schuldgefühlen freizusprechen ist unsere Aufgabe.

Unsere Aufgabe ist es aber auch, gerade in den Gemeinden offen mit dem Komplex “Suizid”, mit Depression und Sucht und Schmerz und Enttäuschung umzugehen.

Wie erkenne ich, ob jemand suizidal ist ?

Zunächst einmal: Man kann das nicht immer erkennen. Und es ist auch nicht die Pflicht des Überlebenden, den Suizid eines anderen Menschen voraus zu ahnen. Manchmal geht der Selbsttötung ja gerade ein Rückzug, eine Verschleierung voraus.

Suizidal bedeutet: Von einer Selbsttötung bedroht. Das ist gekennzeichnet unter anderem von einer Einengung des Denkens. Das gesamte Denken kreist um das unlösbare Problem, alle anderen Lebensbereiche werden ausgeschlossen bzw. werden entwertet.

Zum anderen kann es zu aggressivem oder autoaggressivem Verhalten kommen: “Der andere hat mein Leben zerstört”, oder auch “Ein Versager wie ich es bin ist wertlos”,  sind Beispielsätze.

Aber auch das andere Extrem ist möglich: “Mir ist alles egal: Nichts ergibt mehr Sinn.”

Ein anderes Warnzeichen sind Suizidphantasien. Immer wieder werden verschiedene Möglichkeiten der Selbsttötung durchgespielt. Immer konkreter und ausgefeilter wird die Tötung durchdacht.

Was soll ich tun ?

Es ist sinnvoll, den Betreffenden anzusprechen. Hier werden keine “schlafenden Hunde geweckt”. In einfühlsamer Art sollte klar gemacht werden, dass wir uns sorgen. Das Gespräch, bspw. über Suizidphantasien, wird oft vom Betroffenen als erleichternd empfunden. Auch sollte man dem Betroffenen Mut machen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das kann ein Arzt (Schmerztherapie), ein Seelsorger oder ein Therapeut sein. Eine gute Adresse für weitere Schritte ist die “Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention”.

Ich habe selbst Suizidphantasien / Ich kann nicht mehr – und jetzt ?

Vielleicht kann man sich solche Gedanken als Teil des Kampfes vorstellen, der um uns tobt. Der Teufel wird uns immer auf unser Versagen und unser Scheitern hinweisen, er wird es als endgültige Niederlage darstellen. Auch Gott weist uns auf Scheitern und Versagen hin. Aber bei Gott ist das nicht das Ende, sondern der Anfang der Versöhnung, der Anfang des Sieges – unseres Sieges. Im Neuen Testament heißt es: Jesus hat ein vollgültiges, endgültiges Opfer gebracht – so muss sich niemand mehr opfern.

Auch praktisch tobt der Kampf. Wir werden gelehrt, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt, und dass ich sie finden muss. Das ist nicht wahr! Nicht jedes Problem auf dieser Erde ist lösbar – und nicht jedes Problem muss (von mir) gelöst werden. Andere Menschen – Selbsthilfegruppen, Freunde, Geschwister – sind hilfreicher als Einsamkeit und Rückzug.

Wenn mir das alles peinlich ist: Die Telefonseelsorge ist in Berlin unter 0800 111 0 111 (Säkular) oder 0800 111 0 222 (Kirchlich) erreichbar.

Und wenn es mir noch nicht so schlecht geht oder nicht mehr: Jetzt ist der Zeitpunkt, meine Gedanken und Konfliktlösungsstrategien zu überprüfen und ggf. zu verändern.

Bibelstellen zum Nachlesen:

2. Mose 20 : 30,         Richter 9 : 54,        Richter 16 : 30

1. Samuel 31 : 4,          Matthäus 27 : 5,      2. Korinther 5 : 17

Hebräer 10 : 10 – 23,  Hebräer 10 : 35 - 36

 

[Home] [Termine] [Gemeinde & Glaube] [Gemeindeleben] [Zeugnisse I] [Zeugnisse II] [Zeugnisse III] [Hauskreise] [Mission] [Heiße Eisen] [Gleiche Religionen?] [Warum lässt Gott das zu?] [Abtreibung] [Die Ehe] [Frauen] [Homosexualität] [Kindererziehung] [Scheidung] [Sterbehilfe] [Suizid] [Pornografie] [Ökumene] [Zungenrede] [Events+Kurse] [Impressum]