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Einführung:
Was denn, eine offizielle Stellungnahme? Gehört dieses Thema nicht in die Privatsphäre eines jeden Einzelnen? Doch, da gehört es auch hin. Aber in der Jakobus-Gemeinde wollen wir eine Gemeinschaft von Nachfolgern Jesu sein, die nach Seinen Geboten lebt. In dieser Gemeinschaft beeinflusst jeder den anderen – positiv oder negativ. Deshalb haben wir Grundwerte erarbeitet, die uns wichtig sind.
Was ist eigentlich “Sterbehilfe” ?
Darunter verstehen Menschen unterschiedliche Dinge. Einmal ist da die Situation des unheilbar kranken und leidenden Menschen. Das assoziieren wohl die meisten Menschen mit “Sterbehilfe”. Andererseits berufen sich auf diesen Begriff auch Organisationen, die z. B. depressiven Menschen den Zugang zu Mitteln der Selbsttötung ermöglichen wollen. Der Begriff taucht auch immer wieder in Prozessen auf, in denen Reihentötungen in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen verhandelt werden. Gerade in Deutschland ist dieses Thema sehr belastet.
Warum in Deutschland ?
1939 erklärte Adolf Hitler “ ... dass nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken bei kritischster Beurteilung ihres Gesundheitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann ...”
In den folgenden Jahren wurden in Deutschland etwa 275.000 körperlich und geistig Behinderte (davon etwa 58.000 Kinder) im Rahmen der sogenannten T4-Aktion ermordet.
Aber das kann man doch nicht vergleichen ?
Nein, aber das Unbehagen, Menschen zu Richtern über Leben und Tod zu machen wird auch aus diesem Erleben gespeist. Viele Menschen haben Angehörige und Freunde in dieser Zeit verloren. Nie wieder sollte das in Deutschland möglich sein.
Wie ist denn die rechtliche Lage heute ?
Gelinde gesagt: Unübersichtlich. Generell ist in Deutschland die Beihilfe zum Selbstmord straffrei, allerdings kann man sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig machen. Die passive Sterbehilfe wird in Deutschland nicht verfolgt. Eine Behandlung Sterbender muss nicht um jeden Preis eingeleitet werden. Unter passiver Sterbehilfe kann der Gesetzgeber aber auch das Ausschalten medizinischer Geräte bei Sterbenden verstehen. “Kann verstehen ...” , weil die Rechtsprechung verschiedener Gerichte unterschiedlich ist und Grauzonen zwischen Beihilfe, Tötung auf Verlangen (mildere Bestrafung), passiver Sterbehilfe und aktiver Sterbehilfe bestehen. Die aktive Sterbehilfe ist nämlich verboten und wird strafrechtlich verfolgt.
Seit einigen Jahren ist eine Gesetzesvorlage in Vorbereitung, die mehr Rechtssicherheit bringen soll.
Was sagt die Bibel denn dazu ?
Die Bibel macht klar, dass Gott allein der Herr über Leben und Tod ist. Als Christen wollen wir keinem Menschen das Recht einräumen, diese Entscheidung zu treffen. Dann ist in der Bibel auch klar, dass Leben von Anfang bis Ende unter Gottes Schutz und Wollen steht. Wir wehren uns als Christen gegen eine Entwicklung, die immer mehr Lebensphasen (Leben vor der Geburt, Leben im Leiden vor dem Tod, schwere Behinderung, Wachkoma ...) der Gefahr der Tötung aussetzt. Wir sind besorgt über die Ausweitung dieser Phasen.
Wir halten es für unsinnig, Leiden zu beenden, in dem wir den Leidenden aus der Welt schaffen. Dies passt nicht zu Gottes Wunsch, alles Leben zu schützen und gerade Kinder und auch kranke und alte Menschen besonders zu ehren.
Die ersten Christen unterschieden sich in sehr praktischen Lebensfragen von ihrer heidnischen Umgebung. Zum Beispiel lehnten sie Abtreibungen kategorisch ab – aber eben auch die verbreitete Sitte der Tötung alter und kranker Mitglieder der Gesellschaft.
Gott will also, dass ich vor mich hinsieche ?
Nein, ganz sicher nicht. Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen – so sagt es die Bibel. Er will also Deine Zeit hier und die Zeit nach Deinem Sterben mit Dir verbringen. Tatsache ist aber, dass wir heute nicht mehr leiden können. Oder vielleicht sollte man sagen: Leiden muss sich für uns immer lohnen – im Sport zum Beispiel. Trainieren und sich quälen – wenn Messbares dabei herauskommt. Wir haben den Blick verloren für die Segnungen des Leidens – eines Leidens, das Gott auch zulässt.
Na, das ist ja scharf – was soll denn am Leiden “Segen” sein ?
Jesus litt für uns Menschen. Jede Mutter leidet in Schwangerschaft und Geburt. Leiden trifft uns auch heute in vielen Lebenssituationen. Aber uns fehlen die Vorbilder, in deren Schwachheit Jesus Christus stark ist. Leiden lehrt uns, dass unser Leben ein Geben und Nehmen ist: Wir geben Menschen Hilfe - und sind irgendwann auch angewiesen auf “fremde” Hilfe. Leiden lehrt uns, auch annehmen zu können was Gott uns zugewiesen hat. Vielleicht erfahren wir im Leiden Dinge, die wir sonst nie in unserem Leben erfahren haben und hätten.
Gut, aber jetzt mal konkret – wenn Du da liegst ... ?
Es ist wichtig, sich mit dem eigenen Sterben auseinanderzusetzen. Ich möchte einmal vorbereitet vor Gott treten. Ich hoffe, dass mir die Ärzte diese Zeit lassen werden, auch wenn das für mich Leidenszeit bedeutet.
Allerdings glaube ich auch nicht, dass alles getan werden muss, was technisch getan werden könnte. Es kann – nach meiner Meinung – richtig sein, die x-te Behandlung nicht auch noch zu beginnen, den Sterbenden nicht zum wievielten Male zu reanimieren.
Ich wünsche mir, dass die Menschen, die diese Entscheidungen treffen müssen, seelsorgerliche Begleitung erfahren. Es ist eine Last, die sie da tragen.
Und ganz zum Schluss: Die moderne Schmerzmedizin mildert heute vieles vom “Fluch der modernen Medizintechnik”. Laut Aussage der Deutschen Hospizstiftung muss heute niemand mehr Schmerzen leiden. Wichtig ist mir eher: Ich möchte im Sterben nicht alleine gelassen werden.
Als Christen sollten wir den Begriff “Sterbehilfe” neu definieren. Es sollte nicht (nur) eine Hilfe zum Sterben, sondern vor allem eine Hilfe im Sterben sein.
Bibelstellen zum Nachlesen:
3. Mose 19 : 32
1. Könige 19 : 4
Psalm 90 : 12
Sprüche 23 : 22
Jesaja 46 : 3 – 5
Sacharija 8 : 4
Johannes 11 : 25
Philipper 1 : 20
2. Timotheus 2 : 11
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