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Einführung:
Was denn, eine offizielle Stellungnahme? Gehört dieses Thema nicht in die Privatsphäre eines jeden Einzelnen? Doch, da gehört es auch hin. Aber in der Jakobus-Gemeinde wollen wir eine Gemeinschaft von Nachfolgern Jesu sein, die nach Seinen Geboten leben. In dieser Gemeinschaft beeinflusst jeder den anderen – positiv oder negativ. Deshalb haben wir Grundwerte erarbeitet, die uns wichtig sind.
Ratgeber zum Thema Kindererziehung sind doch viel umfangreicher ...
Richtig, und deshalb ist diese Broschüre auch kein Ratgeber, sondern eine Art Arbeitshilfe. “Arbeitshilfe” ist in diesem Zusammenhang übrigens ein gutes Wort, denn Kindererziehung ist Arbeit und eben auch anstrengend – und vor allem langwierig.
Aber ist das nicht nur ein Modethema ?
Jedenfalls auch ein Thema, das nie aus der Mode kommt. Und aktueller denn je ist, wenn man die Diskussionen um Werte, Vernachlässigung, Babymorde, Ethikunterricht und vieles mehr verfolgt.
Mit Sicherheit gab es schon immer Erziehungsprobleme. Im Unterschied zu früheren (nicht besseren !) Zeiten haben Eltern aber heute einerseits weniger Vorbilder, an denen sie Erziehungsarbeit vor der Geburt der eigenen Kinder beobachten könnten. Andererseits ist das soziale Netz sehr viel durchlässiger geworden. Die Tante, die die Kinder mal nimmt gibt es vielfach nicht mehr und auch die Großeltern, mit denen man Erziehungsarbeit teilen könnte, sind oft nicht mehr greifbar.
Aber der Staat versucht ja, dieses Netz enger zu knüpfen.
Richtig, allein die Zeit, die Kinder in Kitas, Schulen, Kindergärten – also außer Haus – zubringen hat ständig zugenommen. Und da sind wir auch noch nicht am Ende, wie die Diskussion um Ganztagsschulen und Pflichtbesuch von Vorschuleinrichtungen zeigt.
Gut, oder ?
Ja, das hat gute Seiten. Kinder lernen die deutsche Sprache, Kindesgefährdungen werden früher erkannt, Defizite können so früher angegangen werden. Außerdem sind viele Alleinerzieher oder auch Geringverdiener oft gezwungen, relativ früh nach der Geburt des Kindes arbeiten zu gehen. Da sollte sich Gemeinde auch nicht auf ein hohes moralisches Ross setzen, ohne praktische Alternativen anzubieten. Die wenigsten Mütter wollen schließlich von Sozialhilfe leben.
Allerdings sind wir schon der Meinung, dass ein Vater oder eine Mutter, der oder die in den ersten Lebensjahren des Kindes zu Hause bleiben möchte (und da ja auch arbeitet, allerdings unbezahlt) dies auch können sollte.
Und nur gut ist diese Entwicklung natürlich auch nicht.
Warum denn nicht ?
Heute entdecken Psychologen, dass in den ersten Lebensmonaten eine feste Bezugsperson im Leben eines Kindes vorhanden sein muss, um die Entwicklung von sozialen Fähigkeiten im Neugeborenen zu starten. Beispielsweise weiß man heute, dass Kinder, die in den ersten Monaten und Jahren “von Hand zu Hand” gingen Schwierigkeiten haben, ein Urvertrauen in Menschen und das Leben allgemein aufzubauen. Mediziner sagen uns, dass Kinder, die regelmäßig in den ersten Lebensmonaten gestillt werden, ein signifikant geringeres Risiko haben, an Allergien zu erkranken. Nur zwei Beispiele für Aufgaben, die der Staat so nicht leisten kann.
Und machen wir uns nichts vor: Die Versorgung unserer Kinder in staatlichen Einrichtungen ist von harten wirtschaftlichen Faktoren abhängig (Gruppen- und Klassengröße, Ausstattung, Betreuung durch Jugendämter etc.)
Eine weitere Schwierigkeit sehe ich in der Tatsache, dass Eltern aus der Verantwortung entlassen werden, “weil sich ja schon jeman drum kümmert”. Das bedeutet, dass beispielsweise Schule heute hoffnungsvoll überfordert ist. Oft müssen Grund- und Oberschullehrer viel Unterrichtszeit aufwenden, um Kindern fundamentale Regeln beizubringen (Nein, man schlägt seinen Nachbarn nicht; nein, schwächere Kinder werden nicht gequält; man redet nicht dazwischen; generell sitzt man während des Unterrichtes; Lehrer und Mitschüler werden nicht bedroht ...)
Einige Kinder haben dieses Basiswissen zwischen Fernseher und Spielekonsole nie gelernt, die Unterrichtsqualität leidet darunter enorm.
Klingt alles ziemlich aussichtslos ...
Aber gar nicht, denn das ist ja nur eine Seite der Medaille. Endlich ist eine Diskussion über Erziehung in Gang gekommen. Verwahrlosung und Jugendgewalt werden als ein gesamt-gesellschaftliches Problem begriffen, das angegangen werden muss.
Und dann ist da natürlich die Komponente des christlichen Glaubens.
Aha ?
Zuerst einmal vertraut Gott uns Kinder an. Wir sind, wenn wir gewisse Dinge leben, die besten Eltern, die ein Kind haben kann. Dann gibt es bei Gott keine hoffnungslosen Fälle: Eltern und Kinder können sich verändern und ihre Beziehung heil werden lassen. Und dann sind da noch einige Regeln, die Gott uns für die Erziehung unserer Kinder gibt.
Zum Beispiel ?
Zum einen gilt die Regel, dass jeder Mensch einmalig und wertvoll ist. Den Germanen war das so nicht klar, für die zählten Kinder nicht, bevor sie nicht in das heiratsfähige Alter kamen. Erst Gottes Wort hat uns den Blick dafür geöffnet, dass Eltern ihre Kinder und Kinder ihre Eltern wertschätzen sollen.
Dann lernen wir in Gottes Wort über Verantwortung zwischen Kindern und Eltern, zwischen Mensch und Gott – allerdings auch, dass es eine Selbstverantwortung gibt und Eltern auch loslassen müssen und dürfen.
Wir lernen, dass wir nicht nur eine Verantwortung für unsere eigene Kinder haben, sondern auch für die Spielkameraden meines Kindes. Freiheit – auch meines Kindes – endet da, wo andere Kinder sich nicht mehr sicher fühlen können. Und wir lernen, dass “Gott unseren Mangel ausfüllen” kann. Das tröstet mich als Vater, der seinen Kindern eben nicht immer zur Seite stand als sie ihn brauchten, eben nicht immer alles richtig machen konnte oder sogar wollte. Das Konzept der Gnade – selten ist es so hilfreich wie in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern.
Und dann öffnet Gott uns auch das Bewusstsein für den Wert von Regeln.
Sie an, noch einer, der in die 68'er Diskussion einsteigt ...
Eher nicht. Mein Punkt ist, dass Regeln auch Sicherheit vermitteln. Manchmal, wenn diese Regeln gegen Gott und Mensch gerichtet sind, dann muß ich sie auch brechen – keine Frage. Aber heute haben wir es ja oft mit Kindern zu tun, die Regeln nicht kennen und ständig unter dem “Stress des unbekannten Terretoriums” stehen: Ich weiss nicht, was ich tun soll, wie ich wirke – ich muss ständig ausprobieren, Grenzen suchen, versuchen und irren. Ich kenne keine Regeln und keine Konsequenzen – ich weiss im letzten nicht, wie die Welt funktioniert.
Das hat mit Liebe und Verständnis nichts zu tun. Im Gegenteil, ich verstehe gerade nicht das Bedürfnis meines Kindes nach Geborgenheit, Lob, Annahme, Belohnung und Fürsorge.
Aber praktisch, wie funktioniert das mit den Regeln ?
Generell finde ich, dass Kinder heute oft sehr extrem leben müssen. Einige kennen keine Regeln, andere sind durch Elternhaus, Schule, Verein, Arbeitsmarksituation und anderem mit extrem vielen Regeln und Erwartungen konfrontiert.So denke ich, dass eine eingehaltene Regel besser ist drei, die nicht eingehalten werden. Die Frage ist also, was ist mir wichtig für mein Kind – und was ist nicht wichtig. Mit anderen Worten: In welche Richtung, zu welchen Menschen will ich mein Kind erziehen.
Jetzt aber halblang – überschätzt Du da nicht Erziehung ?
Ich sage nicht, dass wir alles richtig machen (müssen), und dann kommt der perfekte Mensch heraus. Ich sage aber, dass Gott einen Traum hat für uns: Jesus Christus sollen wir ähnlicher werden – das ist der Traum Gottes für uns. Und diesen Traum sollten wir mit Gott für unsere Kinder teilen.
Ich denke nicht, dass ich Erziehung überschätze. Wir erziehen unsere Kinder sowieso. Nonverbal und durch Worte, durch Beispiel und Vorleben. Wenn wir es nicht tun, dann werden sie auf der Straße erzogen – und das ist allemal schlechter.
Gibt's vielleicht so 'ne Art Schlusswort ?
Ja, sogar zwei – eines von mir und eines von meiner Frau.
Meines wäre: Heute ist der Tag der Gnade – ich (niemand anders) soll heute (nicht später) das mir anvertraute Kind zu seinem Wohl erziehen.
Und Gisa sagt: Je älter Kinder werden, desto wichtiger wird unser Gebet für sie.
Bibelstellen zum Nachlesen:
2. Mose 2 : 20; 1. Samuel 2 : 11 ff; Sprüche 19 : 18; 2. Korinther 12 : 14; Epheser 6 : 1; Kolosser 3 : 20
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