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Einführung:
Was denn, eine offizielle Stellungnahme? In der Jakobus-Gemeinde wollen wir eine Gemeinschaft von Nachfolgern Jesu sein, die nach Seinen Geboten lebt. In dieser Gemeinschaft beeinflusst jeder den anderen – positiv oder negativ. Deshalb haben wir Grundwerte erarbeitet, die uns wichtig sind.
Frauen in Predigtamt und Gemeindeleitung – wie ist denn da die Stellung der Jakobus-Gemeinde?
Die Kirche des Nazareners kannte Pastorinnen bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts. Kirchen- und Gemeindeleitung war und ist in unserer Kirche nicht abhängig vom Geschlecht, sondern von Gaben und Berufung. Seit vielen Jahren dienen Frauen im Vorstand der Jakobus-Gemeinde und predigen in unseren Gottesdiensten.
Aber gibt es denn in der Bibel nicht eindeutige Aussagen gegen Frauen in der Leitung?
So generell stimmt das nicht. Das Volk Israel kannte bereits im Alten Testament Prophetinnen und Heerführerinnen – Frauen, die von Gott Autorität über Männer verliehen bekamen. Auch das Neue Testament kennt Jüngerinnen Jesu (im ursprünglichen Sinne, Nachfolgerinnen), und selbst in der Apostelgeschichte bzw. in den Paulinischen Briefen begegnen uns Frauen in leitenden Positionen.
Allerdings, und das ist zweifelsfrei richtig, gibt Paulus im 1. Korintherbrief ein “Schweigegebot” für Frauen innerhalb der Gemeinde aus, im 1. Timotheusbrief spricht er sogar vom Verbot des Lehrens für Frauen.
Aber dann ist doch alles klar, oder?
Nein, so einfach ist es sicher nicht. Ein Beispiel: Über die Bewohner der Insel Kreta schreibt Paulus: “Die Kreter sind alles dicke Bäuche und faule Hunde ... und dieses Urteil ist gewisslich wahr.” Wir würden heute den Bewohnern Kretas sicher nicht so begegnen. Offensichtlich hat Paulus hier eine bestimmte Gruppe von Kretern vor Augen, die ihm zu seiner Zeit das Leben schwermachte. Er hat dann sein Urteil über diese Gruppe in einer heute missverständlichen Weise aufgeschrieben. Ähnlich sehen wir das heute für die Situation in Korinth: Hier wurden bestimmte Frauen ermahnt, den Gottesdienstablauf nicht zu stören. Paulus macht in unserem Verständnis keine generelle Aussage zur Stellung der Frau in der Gemeinde, sondern seine generelle Aussage bezieht sich auf die Heiligkeit des Gottesdienstes.
Ist das denn Mehrheitsmeinung?
Keinesfalls. Im Reformjudentum gibt es mittlerweile weibliche Rabbis (Lehrer) und Vorsteher, allerdings ist das Reformjudentum ein kleinerer Zweig innerhalb des Judentums. In der christlichen Kirche kennen die orthodoxen und katholischen Kirchen keine weiblichen Popen bzw. Priester. In der anglikanischen und evangelischen Welt ist die Situation unübersichtlicher und in Bewegung: In der anglikanischen Kirche wird das Thema kontrovers diskutiert, in den lutherischen Kirchen sind Pastorinnen mittlerweile weitgehend akzeptiert. Im freikirchlichen Kontext stehen Brüdergemeinden klar gegen Frauen in der Gemeindeleitung, während beispielsweise die Baptistengemeinden ihren “theologischen Mitarbeiterinnen” die Bezeichnung
“Pastor” zuerkennen wollen. Generell kann man sagen, dass die Akzeptanz von Frauen in Kirchen- und Gemeindeleitung nur in einem kleineren Teil der weltweiten Kirche Christ Praxis ist. Und, genauso generell, eher akzeptiert wird in jüngeren Kirchen und eher in Gesellschaften, in denen die gesellschaftliche Stellung der Frau stärker ist.
Dann sind Frauen in den “alten Kirchen” also nicht wertgeschätzt?
Oh doch, auch in diesen Kirchen sind Frauen ein wichtiger Teil des geistlichen Lebens. Und als Missionarinnen, Kindermitarbeiter, Diakoniemitarbeiter usw. verkünden sie natürlich das Wort Gottes. Oft predigt ihr Leben viel lauter als jedes Wort es je könnte.
Jesus ruft uns auf, keine voreiligen und lieblosen Schlüsse über Geschwister zu ziehen. Und das ist hier besonders wichtig, denn dieses Thema ist eines der klassischen “Streitthemen”. Das bedeutet nicht, dass wir uns nicht auseinandersetzen sollten – aber wir dürfen nicht zulassen, dass uns solche Sachfragen als Geschwister entfremden, dass wir uns gar gegenseitig das Christsein absprechen.
Schon klar – aber emotional geht es ja gerade da oft zu!
Ja, keine Frage. Denn hinter dieser Frage steht die Frage nach Bibelverständnis und Bibelauslegung, nach liberaler oder konservativer oder fundamentaler Theologie. Und das ist übrigens nicht nur im Christentum, sondern z. B. auch im Islam gerade eine aktuelle Frage. Glaube ist uns wichtig, und um wichtige Dinge kämpfen wir intensiver als um unwichtige: Wenn die Bibel das Wort Gottes ist – wie viel kann ich dann interpretieren und wo missverstehe ich sie dann? Was lese ich hinein und was lese ich heraus?
Na, am besten man bleibt ganz nah dran, oder?
Ja, das wäre das Beste. Aber was ist mit den Stellen, in denen Paulus den römischen Sklaven schreibt, dass sie ihren Herren dienen sollen. Möchte Gott also die Sklaverei? Was ist mit der Stelle, in der Jesus sagt, dass beispielsweise der Biss von Schlangen seinen Kindern nicht schaden kann – probieren wir das aus (wir nicht, aber es gibt christliche Gruppen in den USA, in deren Gottesdiensten Klapperschlangen von Hand zu Hand gehen)?
Wir interpretieren die Bibel sowieso. Es gibt kein “neutrales Lesen”, jeder bringt eigene Erfahrungen, Wortkonzepte, gesellschaftliche Prägungen mit. Der Heilige Geist Gottes ist uns gegeben, um die ewige Wahrheit Gottes in Seinem Wort inmitten einer sich verändernden Welt zu finden.
Aber dann ist ja alles relativ, vielleicht nur in eine bestimmte Situation gesprochen?!?
Richtig, genau das ist unsere Schwierigkeit. Gibt es sozusagen Unwesentliches im Wort Gottes, also “nur” Hülle für die jeweilige Zeit – und wie unterscheide ich das vom Wesentlichen, Ewigen? Ist es denn überhaupt erlaubt, eine solche Unterscheidung vorzunehmen?
Wir dürfen akzeptieren, dass es einen “Glaubenskern” gibt, wie er im apostolischen Glaubensbekenntnis formuliert wurde. Und dann gibt es wichtige Themen, die allerdings Randbereiche sind – und die nicht entscheiden über unser ewiges Heil in Christus.
Allerdings streben wir auch hier nach Erkennen und Gehorsam – auch wenn unser Erkennen „Stückwerk“ ist und nicht mit der Erkenntnis anderer Geschwister übereinstimmt.
Ich glaube, wir kommen vom Thema ab...
Entschuldigung, Pastorenkrankheit. Also, um zu einem Punkt zu kommen: In der weltweiten Kirche Jesu gibt es zu einigen Themen unterschiedliche Positionen. Unser Thema hier gehört dazu. In der Jakobus-Gemeinde gehen wir von der ursprünglichen Schöpfungsordnung aus. Der Mensch ist nach Gottes Bild geschaffen als Mann und als Frau. Erst der Sündenfall führte zu einer Hierarchie. Aber, so sagt Jesus in einem ähnlichen Zusammenhang, von Anfang an war das nicht so gedacht.
Deshalb bekennen wir uns zum Pastorenamt für Frauen, ohne andere Positionen zu verurteilen oder gering zu schätzen.
Und wie funktioniert das praktisch in dieser Gemeinde?
Zum einen wünsche ich mir, dass unterschiedliche Positionen ihren Platz in der Gemeinde haben. Wir bilden schließlich die Vielfalt der Gesellschaft ab, wir sind Heimat für unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Frömmigkeitsstielen. Ich hoffe, dass wir miteinander gehen können, auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind.
Zum anderen haben wir als Gemeinde und Kirche eine Tradition, die wir biblisch begründen können und die uns auch ausmacht. Die werden und können wir nicht aufgeben.
Aber was ist, wenn Ihr falsch liegt?
Hier ist Gott ganz deutlich: Die Leiter werden einmal gefragt werden, wie sie Gottes Wort vertreten haben – und sie werden in die Verantwortung genommen werden.
Allerdings möchte ich sozusagen als persönliches Zeugnis sagen, dass ich vor Gott keine Angst habe. Er weiß, dass ich Mensch bin. Er weiß, dass auch mein Schriftverständniss unvollkommen ist. Er weiß, dass Menschen nicht nur theoretisch fehlbar sind, sondern tatsächlich Fehler machen. Aber in Jesus Christus ist uns längst vergeben – dass lässt mich fröhlich vorwärts gehen.
Schriftstellen zum Nachlesen:
Joel 2 : 28 – 29 ;
Apostelgeschichte 2 : 17 – 18 ;
Apostelgeschichte 21 : 8 – 9;
Römer 16 : 1, 3, 7;
1. Korinther 11 : 5; 1
1. Korinther 14 : 33 – 34;
2. Korinther 5 : 17;
Galater 3 : 26 – 28;
Philipper 4 : 2 – 3;
1. Timotheus 2 : 11 – 12.
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